Welche Atemtechnik denn nun?
von Sandra Trebing.
 

Durch eine meiner Schülerinnen kam ich in Berührung mit dem Thema Atemtypenlehre. Ich war anfangs dem Thema gegenüber sehr skeptisch. Ich habe im folgenden die Atemtechnik der Terlusollogie und die von Schlaffhorst Anderson unter Einbeziehung meiner persönlichen Erfahrungen als Sängerin und Gesanglehrerin gegenübergestellt.

Die Terlusollogie (Terra-Luna-Solar) stützt sich auf die Sonnen- und Mondphasen im Bezug auf die Erde und somit auf den Menschen. Es gibt demnach zwei Atemtypen. Der jeweilige Atemtyp werden nach dem Geburtsdatum und -zeit bestimmt . Aber wie es so oft (bei mir) ist, bin ich nicht genauer bestimmbar und somit ein Fragezeichentyp. Bei genauer Analyse wäre ich allerdings ein mehr solargeprägter Atemtyp. Jedoch bin ich der Meinung, dass ich 'beide Atemtypen' benutze und damit ein Gleichgewicht in meiner Gesangstechnik und somit auch im Atmungsrhythmus gefunden habe...was aber die Terlusollogie konsequent abstreitet und dogmatisch sagt, das gibt es nicht. Entweder Einatmung oder Ausatmung. Das hat mich unzufrieden gemacht und ich fühlte instinktiv, dass ich weiter nachforschen sollte. Das habe ich dann auch getan und somit bin ich auf die Schlaffhorst-Andersen-Methode gestossen...

Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen haben Anfang 1900 mit ihren Forschungen über die Atemtechnik begonnen. Beide hatten Probleme mit dem Atmungs- und Sprechorgan. Die daraus folgenden Erkrankungen konnten sie durch diese Studien und praktischen Eigenanwendungen selbst heilen; das Buch von Leo Kofler (amerik. Organist und Gesangslehrer) war der Auslöser oder Antrieb und damit wurde diese Studie zum Lebenswerk und Mittelpunkt von Schlaffhorst-Andersen, die 1916 die erste Schule für Atmung, Sprache und Gesang gründeten.

Vergleichen wir:
- Terlusollogie: Einatmungstyp - lunar (findet die Kraft im Einatmen), Ausatmungstyp - solar (findet die Kraft im Ausatmen) -> die typgerechte, bzw. dem Typen natürliche Atmungsweise soll gestärkt und hauptsächlich angewendet werden. - Schlaffhorst-Andersen-Methode: Lungentyp - Ausatmer (findet die Kraft im Ausatmen), Zwerchfelltyp - Einatmer (findet die Kraft im Einatmen) -> die schwächere Atemtyptechnik soll gestärkt werden und somit der natürlichen Atemtypfunktion angeglichen werden. Als Stärkung und Ausgleich der eigentlichen kraftfindenden Atemtypfunktion.
In meinem Fall wäre das dann die Ausatemtechnik, denn ich atmete hauptsächlich ein, die mit meinem ersten Gesangsunterricht ab dem sechzehnten Lebensjahr bei mir dafür gesorgt hat, dass ich immer weniger Probleme mit meiner Atmung und die damit zusammenhängenden Erkrankungen bekam. Keine 3 bis 5 Mal im Jahr Bronchitis oder andere Erkältungskrankheiten. Auch meine Kurzatmigkeit beim Sportunterricht ließ langsam nach...dementsprechend habe ich für mich eine Antwort bekommen. Es gibt die dritten Atemtypen, wenn wir jetzt der Atemtechnik der Terlusollogie folgen.
Ich persönlich benötige und benutze beide Atemtechniken beim Gesang. Nach Schlaffhorst-Andersen wäre dieser Vorgang, eine ganz normale Gleichgewichtung oder Ausgleich der Kräfte. Mit vorherrschender Ausatmung, aber die Einatmung angeglichen und somit ein Gleichgewicht und Unterstützung hergestellt.

Kurzum, ich habe die hier aufgeführten Atemtechniken nicht bewusst vollzogen, mir ist im Nachhinein durch meine Recherchen klar geworden, wie ich zu meiner eigenen 'gesunden' Atmung kam. Daher kann ich auch nur für mich sprechen undes ist keine Allheilmethode. Das ist wie mit der Diät, die einen nehmen besser mit Weight Watchers ab, den anderen liegt eher der Sport und/ oder andere nehmen mit der Atkins Diät ab - wie gesagt, viele Wege führen nach Rom. Letztendlich ist doch nur wichtig, welche Resultate wir erzielen.

Sandra Trebing
nc-trebinsa@netcologne.de

Literaturhinweise:
- "Einführung in die Arbeitsweise Schlaffhorst-Andersen - Atmung, Stimme, Sprache, Haltung und Bewegung in ihren Wechselwirkungen" von Margarete Saatweber, erschienen im Schulz-Kirchner Verlag
- "Atmung und Stimme" von Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen, erschienen im Möseler Verlag
"Grundlagen der Terlusollogie - Praktische Anwendungen eines bipolaren Konstitutionsmodells" von Christian Hagena, erschienen im Haug Verlag
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